Kindheit und Jugend
Siegfried Lenz wurde am 17. März 1926 in Lyck in Masuren/Ostpreußen geboren.
»Ich wohnte in einem kleinen Haus am Seeufer, und der Lyck-See war für mich die Welt im Spiegel. Ich lernte fischen und schwimmen, bevor ich lesen lernte.«
Im Dezember 1943 erhielt er seinen Einberufungsbefehl zur Marine und sein Abgangszeugnis. Er verließ die Schule anderthalb Jahre vor seinem Abitur.


Nachkriegsjahre
Nach seiner Entlassung aus dem Kriegsgefangenenlager in Schleswig-Holstein war Lenz als Dolmetscher für die britische 66 Disbandment Control Unit tätig, die deutschen Soldaten Entlassungsscheine ausstellte. Ab 1946 studierte Lenz an der Universität Hamburg Geisteswissenschaften. Seinen knappen Unterhalt sicherte er sich zunächst mit Schwarzmarktgeschäften. Nach dem Ende dieser Aktivitäten wurde die Situation noch schwieriger: Nun blieb Lenz im Bett, um keine unnötigen Kalorien zu verbrauchen und versuchte, als Blutspender etwas Geld zu verdienen.
»Das Wort ergreifen heißt immer auch handeln.«
Ab 1948 arbeitete Lenz für die Hamburger Zeitung Die Welt, die noch von den Briten kontrolliert wurde. Zunächst als Volontär, später als Feuilleton-Redakteur. Dort lernte er Liselotte kennen. 1949 heirateten die beiden. 1950 wurde sein erster Roman Es waren Habichte in der Luft in Fortsetzungen in der Welt gedruckt, bevor er als Buch bei Hoffmann und Campe erschien.


Erfolg
Das Honorar für seinen ersten Roman investierte er in ein Sofa und eine Afrikareise. Nach dem Achtungserfolg seines ersten Romans beschloss Lenz, es mit einer Existenz als freier Schriftsteller zu versuchen. Dabei kam ihm sein guter Draht zum Rundfunk zustatten. Er arbeitete verstärkt für den NWDR, verfasste Buchbesprechungen, Essays, Features und Hörspiele, war auch als Sprecher tätig. Wie vielen Autor*innen der Nachkriegszeit sicherte ihm der Rundfunk sein Auskommen als freier Schriftsteller. Spätestens mit seiner Sammlung masurischer Erzählungen So zärtlich war Suleyken (1955) kam das Wirtschaftswunder auch im Hause Lenz an.
Der internationale Durchbruch gelang ihm mit dem Theaterstück Zeit der Schuldlosen, das 1961 im Schauspielhaus Hamburg uraufgeführt wurde. Lenz ist selten unbeschäftigt, kaum hat er ein Buch fertig, macht er sich auch schon ans nächste. Endgültig zu Weltruhm gelangte er 1968 mit seinem Roman Deutschstunde. In der Zeit der Rebellion der 1968er gegen ihre Eltern und der immer drängender gestellten Frage nach Schuld und Unschuld im Dritten Reich war der Roman am Puls der Zeit. Mit diesem Buch hat Lenz sich endgültig eine treue Lesergemeinde erschrieben, auch wenn die Kritik ihm seinen Erfolg beim Publikum immer wieder zum Vorwurf machte.


Späte Jahre
Der Tod von Liselotte im Jahr 2006 bedeutete für Siegfried Lenz eine traurige Zäsur nach 57 gemeinsamen Jahren. Dass 2008 die Novelle Schweigeminute erschien war nicht zuletzt der Fürsorge von Ulla, einer engen Freundin seiner Frau, zu verdanken. Die beiden heirateten 2010.
Von seinem ersten publizierten Gedicht 1948 bis zu seinem Tod 2014 wird er 15 Romane, über 500 Essays, über 200 Erzählungen, über 150 Rundfunkbeiträge, zwei Dutzend Gedichte, 6 Schauspiele und 4 Novellen geschrieben haben.